Aufzeichnung

Sprachliche Bildung – Sprache am Übergang von der Kita zur Grundschule

Wie Kinder sprachlich stark in die Schule starten

Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist für Kinder ein großer Entwicklungsschritt. Neben sozialen, emotionalen und kognitiven Fähigkeiten spielt dabei vor allem eines eine zentrale Rolle: Sprache. Denn gute Sprachkompetenzen sind die Grundlage dafür, schulische Anforderungen zu verstehen, Aufgaben zu bearbeiten und aktiv am Unterricht teilzunehmen.

Besonders wichtig wird das Thema, wenn Kinder Deutsch als Zweitsprache erwerben. Sie bringen viele sprachliche Fähigkeiten bereits aus ihrer Familiensprache mit, brauchen aber gezielte Unterstützung, um die sprachlichen Anforderungen in Kita und Schule erfolgreich zu bewältigen.

Dr. Bettina Kumpfert-Moore macht in diesem Webinar deutlich: Sprachbildung beginnt nicht erst in der Grundschule, sondern schon viel früher im pädagogischen Alltag der Kita.

Was ist Sprache eigentlich?

Sprache ist weit mehr als ein Mittel zur Verständigung. Sie ist ein multifunktionales Kommunikationsmittel, ein kulturelles Identitätssymbol und gleichzeitig ein System mit Regeln und Strukturen.

Für die sprachliche Bildung ist es hilfreich, Sprache auf verschiedenen Ebenen zu betrachten:

  • Pragmatik: Wie Kinder in Situationen kommunizieren
  • Phonologie: Lautbildung und Aussprache
  • Lexikon und Semantik: Wortschatz und Wortbedeutung
  • Morphologie: grammatische Formen und Endungen
  • Syntax: Satzbau

Diese Ebenen sind auch entscheidend, wenn Fachkräfte den Sprachstand von Kindern beobachten oder einschätzen.

Sprachstand im Vorschulalter: Was Kinder mit 5 bis 6 Jahren können sollten

Im Vorschulalter verfügen die meisten Kinder in ihrer Erstsprache bereits über weit entwickelte sprachliche Kompetenzen. Dazu gehören unter anderem:

  • sichere Kommunikationsregeln wie Sprecherwechsel
  • das Erzählen von Erlebnissen und Geschichten
  • ein weitgehend vollständiges Lautsystem
  • ein großer, differenzierter Wortschatz
  • grammatisch weitgehend korrekte Sätze
  • erste Fähigkeiten, über Sprache selbst nachzudenken

Auch die phonologische Bewusstheit entwickelt sich in diesem Alter deutlich weiter. Kinder erkennen Silben, Laute und Wortgrenzen und beginnen, sprachliche Formen bewusst wahrzunehmen und teilweise sogar selbst zu korrigieren.

Zweitspracherwerb in der Kita: Wie Kinder Deutsch lernen

Viele Kinder kommen mit etwa drei Jahren in die Kita und haben dann zum ersten Mal intensiven Kontakt mit der deutschen Sprache.

Wichtig ist: Kinder lernen Deutsch nicht „bei null“. Sie bringen bereits kommunikative Kompetenzen aus ihrer Familiensprache mit. Diese Fähigkeiten können sie auch in der Zweitsprache nutzen. Was ihnen oft fehlt, sind nicht Denkfähigkeit oder Kommunikationsabsicht, sondern die passenden deutschen Wörter und Strukturen.

Der Zweitspracherwerb verläuft dabei oft in typischen Phasen:

  1. Kommunikation zunächst über die Familiensprache
  2. nonverbale oder sprachlich reduzierte Phase
  3. erste einzelne Wörter und Wortgruppen
  4. Ausbau von Wortschatz und Grammatik
  5. zunehmend komplexere sprachliche Strukturen

Warum Alltagssprache allein nicht reicht

Ein zentraler Punkt des Webinars ist die Unterscheidung zwischen Alltagssprache und Bildungssprache. Alltagssprache wird meist nebenbei erworben. Sie ist stark an Situationen gebunden, arbeitet mit Gestik, Mimik, Zeigewörtern und unvollständigen Sätzen. Für vertraute Alltagssituationen reicht sie oft aus. Bildungssprache ist deutlich komplexer. Sie ist sachbezogen, präzise und oft vom direkten Kontext gelöst. Kinder brauchen sie, um in der Schule erfolgreich zu lernen. Typische Beispiele sind Fachbegriffe, abstrakte und differenzierende Wörter und komplexe Satzstrukturen.

Wortschatzförderung: Begriffe müssen mit Bedeutung gefüllt werden

Ein besonders spannender Aspekt im Webinar ist der Hinweis, dass Kinder nicht nur Wörter lernen, sondern Konzepte aufbauen. Ein Wort wie „Wochenende“, „Urlaub“ oder „Gewitter“ ist nicht einfach nur ein Begriff, sondern mit Erfahrungen, Vorstellungen und Weltwissen verbunden. Das bedeutet für die Praxis: Vorlesen allein reicht nicht aus, auch wenn es sehr wichtig ist. Kinder brauchen beispielsweise zusätzlich gezielte Wiederholungen, alltagsnahe Gespräche sowie Verknüpfungen mit Vorwissen und Erfahrungen.

Sprachförderung in der Kita: alltagsintegriert und gezielt

Sprachbildung gelingt besonders gut, wenn sie im Alltag und in geplanten Angeboten stattfindet. Besonders sprachförderlich sind zum Beispiel Bastelangebote, Tisch- und Kartenspiele, Experimente oder Bewegungsangebote. Diese Situationen laden dazu ein, mit Kindern zu planen, Handlungen sprachlich zu begleiten und Ergebnisse gemeinsam zu reflektieren.

 

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Dr. Bettina Kumpfert-Moore
Ihre Referentin

Dr. Bettina Kumpfert-Moore

Dr. Bettina Kumpfert-Moore ist Diplomlehrerin für Deutsch und Englisch und promovierte zu Sprachstrategien in der... weiterlesen

Dr. Bettina Kumpfert-Moore ist Diplomlehrerin für Deutsch und Englisch und promovierte zu Sprachstrategien in der interkulturellen Kommunikation. Seit 2024 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der PH Schwäbisch Gmünd und verantwortlich für das Weiterbildungsangebot „Mit Kindern im Gespräch“. Zuvor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Elementarbildung an der PH Weingarten, Fachberaterin im Bundesprogramm „Sprach-Kita“ sowie Leiterin eines Familientreffs. Als freie Referentin arbeitet sie mit den thematischen Schwerpunkten Förderung des Mehr- und Zweitspracherwerbs, interkultureller und vorurteilsbewusster Bildung. Internationale Lehr- und Arbeitserfahrungen sammelte sie im Rahmen von Aufenthalten des Goethe-Instituts in Finnland sowie als DAAD-Lektorin und Lecturer of German an der University of Portsmouth in Großbritannien.

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