Aufzeichnung

Kamishibai trifft Basale Aktionsgeschichte – Biene Bea und der leckerste Honig der Welt

Geschichten multisensorisch und barrierearm erzählen

Kamishibai ist vielen aus Kita, Grundschule und Sprachbildung bekannt: ein kleines japanisches Erzähltheater, bei dem Bildkarten in einem Holzrahmen präsentiert werden. Im Webinar zeigen Dr. Nicol Goudarzi und Daniela Demmer, wie dieses Medium mit basalen Aktionsgeschichten verbunden werden kann, um Geschichten noch zugänglicher, sinnlicher und aktiver zu gestalten.

Was ist Kamishibai?

Der Begriff Kamishibai kommt aus dem Japanischen und bedeutet „Papiertheater“. Dabei werden Bildkarten in einem Rahmen, dem sogenannten Butai, gezeigt und nach und nach aus dem Rahmen gezogen. Das Besondere: Die Geschichte wird nicht nur vorgelesen, sondern bildgestützt erzählt. Dadurch entsteht ein gemeinsamer Erzählmoment, der Kinder fokussiert, Gespräche anregt und auch nonverbale Beteiligung ermöglicht.

Kamishibai eignet sich für viele Bereiche:

  • Kita und Vorschule
  • Grundschule
  • Förderschule und Inklusion
  • Sprachbildung
  • Elternarbeit
  • therapeutische und pädagogische Kontexte

Was sind basale Aktionsgeschichten?

Basale Aktionsgeschichten wurden ursprünglich im sonderpädagogischen Kontext entwickelt. Sie verbinden Geschichten mit Wahrnehmung, Aktivität, Kommunikation und Bildungsinhalten. Dabei geht es nicht nur darum, eine Geschichte zu hören. Die Teilnehmenden werden aktiv einbezogen. Sie können auswählen, mitmachen, Materialien erleben, kommunizieren und einzelne Handlungsschritte mitgestalten.

Typisch für basale Aktionsgeschichten sind Wiederholungsbausteine. Bestimmte Sätze, Handlungen oder Situationen tauchen immer wieder auf, nur leicht verändert. Das gibt Orientierung, Sicherheit und ermöglicht Teilhabe.

Warum passen Kamishibai und basale Aktionsgeschichten zusammen?

Kamishibai ist bereits ein sehr zugängliches Medium, weil es mit Bildern, Ritualen und Erzählstruktur arbeitet. Gleichzeitig können Barrieren entstehen, wenn Menschen Bilder nicht gut erkennen, Sprache schwer verstehen oder längere Zeit nur zuhören sollen.

Basale Aktionsgeschichten erweitern das Kamishibai um zusätzliche Zugänge:

  • Fühlen
  • Riechen
  • Schmecken
  • Bewegen
  • Auswählen
  • Mitsprechen
  • Unterstützte Kommunikation
  • Wiederholte Handlungsmuster

So entsteht ein Erzählerlebnis, das mehrere Sinne anspricht und mehr Teilhabe ermöglicht.

Barrieren im Kamishibai reduzieren

Im Webinar wird deutlich: Auch ein grundsätzlich zugängliches Medium wie Kamishibai kann Hürden haben. Manche Kinder sehen schlecht, verstehen Sprache anders, haben Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit oder benötigen klare Wiederholungen und Rituale.

Hilfreich sind deshalb:

  • kontrastreiche Bildkarten
  • einfache Sprache
  • unterstützende Gebärden
  • klare Rituale beim Öffnen des Butai
  • sensorische Materialien
  • Wiederholungsstrukturen
  • Möglichkeiten zum Mitentscheiden
  • Einbindung von Mehrsprachigkeit
  • Puppen oder Figuren als Vermittler

Auch für Kinder im Autismusspektrum können klare Abläufe, wörtliche Sprache und bewusste Erklärungen von Redewendungen wichtig sein.

Beispiel: Biene Bibi sucht den besten Honig

Ein praktisches Beispiel im Webinar ist die Geschichte rund um Biene Bibi. Ausgehend von einem Kamishibai-Kartensatz zum Thema Bienen wird eine neue Erzählidee entwickelt. Die Grundstruktur ist einfach: Biene Bibi fliegt von Blume zu Blume und sammelt Nektar. Jede Blume bildet einen Wiederholungsbaustein. Die Kinder können mitentscheiden, welche Blume Bibi als Nächstes besucht. Dazu passen sensorische Angebote wie Lavendelduft, echte Blüten, Honig zum Probieren, Bienenwachs zum Fühlen, Summgeräusche und Naturmaterialien aus der Wiese-

Die Verbindung von Kamishibai und basalen Aktionsgeschichten eröffnet neue Möglichkeiten für inklusive Literatur- und Sprachbildung. Geschichten werden dadurch verständlicher, sinnlicher und aktiver. Besonders wertvoll ist der Ansatz für heterogene Gruppen, in denen Kinder unterschiedliche sprachliche, motorische, kognitive oder sensorische Voraussetzungen mitbringen. Durch Wiederholung, Mitbestimmung und multisensorische Zugänge können alle Teilnehmenden auf ihre Weise Teil der Geschichte werden.

 

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